Sozialstationen machen auf Risiken für die ambulante Pflege aufmerksam
Pflegefachkräfte der Sozialstation St. Alban machen auf mögliche Folgen der geplanten Pflegereform aufmerksam.
Fünf Pflegefachkräfte stehen vor einem Dienstfahrzeug der Sozialstation St. Alban. Eine von ihnen hält ein Schild in die Kamera: "Dieses Auto fährt nicht mehr". Das Bild ist bewusst zugespitzt - und soll sichtbar machen, was auf dem Spiel stehen könnte, wenn politische Entscheidungen die Rahmenbedingungen für die ambulante Pflege weiter verschärfen.
Gemeinsam mit der PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz greift der Caritasverband Mainz die Aktion auf. Sie richtet sich gegen mögliche Auswirkungen des geplanten Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) und des GKV-Beitragssatzstabilisierungs-gesetzes auf die pflegerische Versorgung.
Pflege muss bei den Menschen ankommen
Dass die Pflegeversicherung reformiert werden muss, steht für die Beteiligten außer Frage. Der vorliegende Gesetzentwurf enthält aus Sicht der ambulanten Pflege auch sinnvolle Ansätze. Gleichzeitig bestehen jedoch große Bedenken, dass bewährte Versorgungsstrukturen geschwächt und die Belastungen für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegedienste weiter erhöht werden.

Gerade die ambulante Pflege ist darauf angewiesen, dass ausreichend Pflegefachkräfte zur Verfügung stehen und die erbrachten Leistungen angemessen finanziert werden. "Dieses Auto fährt nicht mehr" steht deshalb symbolisch für ein Angebot, das dringend gebraucht wird - aber möglicherweise nicht mehr aufrechterhalten werden kann, wenn personelle, wirtschaftliche oder politische Rahmenbedingungen die Arbeit der Pflegedienste zunehmend erschweren
Denn häusliche Pflege ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn Pflegeleistungen aufgrund von Personalmangel, unzureichender Refinanzierung oder politischer Fehlsteuerung nicht mehr im notwendigen Umfang angeboten werden können, betrifft das unmittelbar die Menschen, die auf Unterstützung in ihrer eigenen Häuslichkeit angewiesen sind.
Forderungen für eine starke ambulante Pflege
Um die Versorgung auch langfristig zu sichern, braucht es aus Sicht des Caritasverbands Mainz und der PflegeGesellschaft Rheinland-Pfalz verlässliche Rahmenbedingungen für die ambulante Pflege. Dazu gehören insbesondere:
• Bewährte Beratungsstrukturen erhalten: Etablierte Beratungsangebote der ambulanten Pflegedienste dürfen nicht durch neue Parallelstrukturen geschwächt werden.
• Pflegefachkräfte in der Versorgung einsetzen: Pflegefachkräfte werden dringend in der direkten Versorgung der Menschen gebraucht. Reformen dürfen nicht dazu führen, dass zusätzliches Personal aus der Pflegepraxis abgezogen wird.
• Entlastungsangebote sichern: Ambulante Entlastungsleistungen, Verhinderungspflege und Tagespflege müssen in ihrem bisherigen Umfang erhalten bleiben.
• Personalkosten fair refinanzieren: Die tatsächlichen Personalkosten müssen sowohl im SGB XI als auch im SGB V vollständig und angemessen refinanziert werden.
• Internationale Pflegefachkräfte schneller anerkennen: Die Anerkennung und Integration internationaler Pflegefachkräfte müssen deutlich beschleunigt werden, damit die Versorgung langfristig gesichert werden kann.
Verlässliche Pflege braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Eine Reform der Pflegeversicherung ist notwendig. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass funktionierende Versorgungsstrukturen geschwächt und Kosten und Risiken zunehmend auf Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegedienste verlagert werden.
Die Pflegefachkräfte der Sozialstationen St. Alban in Bodenheim, die Sozialstation St. Rochus Bingen sowie die Sozialstation Heilig Geist Mainz (alle Caritasverband Mainz) setzen mit ihrer Beteiligung an der Aktion deshalb ein sichtbares Zeichen: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen brauchen verlässliche Unterstützung - und ambulante Pflegedienste brauchen die Rahmenbedingungen, um diese Unterstützung auch tatsächlich leisten zu können.