Winfried Z. ist fast 80 Jahre alt. Nach Jahrzehnten auf der Straße fand er im Thaddäusheim in Mainz eine vorläufige Heimat. Da er Hilfe bei der Körperpflege und Medikamentengabe benötigt, wird er, wie auch viele andere Bewohner, von Angelika Ullmann-Schüler unterstützt. Doch die Pflegefachkraft geht Ende des Jahres in Rente - und Thomas Stadtfeld, Leiter des Thaddäusheims, blickt vor dem Hintergrund des Pflegenotstands mit Sorge in die Zukunft.
Was ist eigentlich, wenn wohnungslose Menschen auf Grund gesundheitlicher Schwierigkeiten ihr Leben auf der Straße nicht mehr allein meistern können? Wenn Pflegebedarf und die Notwendigkeit einer Versorgung in den Vordergrund treten? Im Thaddäusheim gibt es einen Ort, in dem diese Menschen eine Heimat finden. "Damit uns das gelingt, muss eine Pflegefachkraft zum Personalstamm der Einrichtung gehören", sagt Einrichtungsleiter Thomas Stadtfeld.
Immer mehr Menschen kommen mit körperlichen und gesundheitlichen Einschränkungen in das Heim für wohnungslose Menschen. Entlassungen aus dem Krankenhaus erfolgen immer früher, viele OPs werden nur noch ambulant durchgeführt. Eine Unterbringung mit Rücksicht auf Mitbewohner und nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Würde jedes Einzelnen gelingt nur, wenn unmittelbare und regelmäßige Pflege gewährleistet werden kann. Einige Bewohner benötigen diese Unterstützung langfristig, andere nur vorübergehend, bis eine Erkrankung ausgeheilt ist.
Versorgung von Wunden und seelischen Verletzungen
Pflegerin Angelika Ullmann-Schüler hat das Vertrauen von Thaddäusheim-Bewohner Winfried Z. ge-wonnen: "Sie nimmt sich Zeit, wenn ich Hilfe benötige." (Foto: Martina Buchmann, Thaddäusheim)
In den letzten sieben Jahren hat Angelika Ullmann-Schüler die Pflege im Thaddäusheim geleistet. "Nach 19 Jahren in der ambulanten Pflege war ich froh, eine berufliche Heimat in der Pflege wohnungsloser Menschen zu finden. Nicht zuletzt, weil ich durch die Präsenz vor Ort einen guten Kontakt mit Bewohnern und Übernachtern habe." Schwester Angelika, wie sie vertrauensvoll von allen im Thaddäusheim genannt wird, kümmert sich nicht nur um Wunden und Hygiene der Bewohner, "wichtiger ist es noch, die seelische Verletzung zu berücksichtigen, sich Zeit zu nehmen und so das Vertrauen der Bewohner zu bekommen". Mit Menschen, die Anfeindungen und Übergriffe auf ihre Person vom Leben auf der Straße kennen, ist der persönliche Kontakt wichtig.
Dass die gute Versorgung gelingt, liegt auch an der Zusammenarbeit mit der Caritas-Sozialstation und dem Verein Armut und Gesundheit in Deutschland, sowie der Spendenbereitschaft vieler Menschen. Gemeinsam wird so Männern von der Straße eine Perspektive geboten, auch bei körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen.
So auch im Fall von Winfried Z, der mit heute fast achtzig Jahren eine vorläufige Heimat im Thaddäusheim gefunden hat. Er hat Jahrzehnte auf der Straße verbracht, im Thaddäusheim ist er schon lange bekannt. Als er gesundheitlich immer weiter abgebaut hatte, konnten wir ihm 2019 einen Platz im Wohnheim anbieten. Regelmäßiger Kontakt, Hilfe bei der Körperpflege, Medikamentenvergabe, das alles wurde im Laufe der Zeit immer wichtiger. Herr Z. weiß, dass er ohne diese Hilfe nicht mehr zurechtkommen würde: "Schwester Angelika kennt die Leute hier im Thaddäusheim und die Krankheitsverläufe. Sie hat einen Blick für die Patienten und das nötige Fingerspitzengefühl. Ich bin froh, dass sie sich Zeit nimmt, wenn jemand Hilfe braucht." Er weiß aber auch ein offenes Wort zu schätzen: "Schwester Angelika lässt sich nichts vormachen. Sie erkennt, wie es den Bewohnern wirklich geht, sie weiß, wann man einen Arzt dazu rufen muss. Und sie sagt dann auch ehrlich, was Sache ist." Herr Z. betont auch, wie wichtig es ist, wenn da eine vertraute Pflegekraft sei. Eine Person, die die Leute kennt, bei der man keine Angst haben muss, zu sagen, wie es einem wirklich geht.
Für Herrn Z. ist jetzt der Zeitpunkt erreicht, in ein Pflegeheim umzuziehen. Er braucht mittlerweile umfassendere Unterstützung, als die, die im Thaddäusheim von einer einzelnen Pflegefachkraft geleistet werden kann. Und er weiß, dass seine vertraute Bezugsperson bald in Rente gehen wird. Da ist der richtige Zeitpunkt für einen Umzug gekommen.
Pflege muss vor Ort gewährleistet sein
"Auch wenn die Beziehungsarbeit, die Pflege der Seele nicht unmittelbar durch die Krankenversicherungen refinanziert sind, ist es uns ein Anliegen, die Pflege auch künftig fest im Thaddäusheim vorzuhalten", äußert Stadtfeld mit Blick in die Zukunft. Schwester Angelika geht Ende des Jahres in den wohlverdienten Ruhestand - die Nachfolge ist noch nicht geregelt. "In Zeiten von Pflegenotstand wird es auch hier schwierig, Personal zu finden", sagt Thomas Stadtfeld.
Es ist den Mitarbeitern im Thaddäusheim ein Anliegen, wohnungslosen Menschen mit Pflegebedarfen eine vorläufige Heimat und eine Perspektive bieten können, in Würde zu Leben.
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