20 Jahre Caritas-Stadtteilzentrum Delbrêl
Schon kurz nach der Gründung entwickelte sich das Zentrum zu einem lebendigen Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebenslagen und blickt heute auf zwei Jahrzehnte engagierter Gemeinwesenarbeit, gelebter Integration und vielfältiger Begegnungen zurück.

Die Diplom-Pädagogin Eleonore Kronwald-Najafian prägte das Delbrêl-Zentrum von Beginn an maßgeblich mit. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Fußball-Europameisterschaft 2016: Beim gemeinsamen Public Viewing kamen Neustädter*innen und syrische Geflüchtete zusammen. Für seine Integrationsarbeit erhielt das Zentrum später im Rahmen eines GWA-Projekts den Best-Practice-Preis für die Förderung von Begegnung und Zusammenleben im Stadtteil.
Benannt nach einer Pionierin sozialer Arbeit
Namensgeberin des Zentrums ist die Französin Madeleine Delbrêl (1904-1964). Die Schriftstellerin, katholische Mystikerin und Sozialarbeiterin setzte sich im Arbeitermilieu für soziale Gerechtigkeit ein und gilt als eine frühe Form der Streetworkerin. Noemi Barrawasser, die das Stadtteilzentrum seit zwei Jahren leitet, betont: "Wir sind stolz darauf, dass das Delbrêl-Zentrum als erstes überhaupt nach einer modernen, selbstbestimmten Frau benannt wurde." Die Arbeit des Hauses beschreibt sie mit vier zentralen Begriffen: Bildung, Beratung, Begegnung und Beteiligung.
Essen verbindet Menschen
Eine wichtige Rolle im Alltag des Stadtteilzentrums spielt das gemeinsame Essen. Das Café Delbrêl bietet täglich frisch gekochte Mahlzeiten an, montags lädt der "Startknopf" zu einem gesunden Fitnessfrühstück ein. "Das Delbrêl versteht sich als Begegnungsort und möchte aktiv gegen Einsamkeit arbeiten", erklärt Sozialarbeiterin Annika Fichtner, die mitten in der Corona-Pandemie ihre Arbeit im Zentrum begann. "Wir haben damals Essen to go durchs Fenster gereicht - und beim ersten großen Fest danach haben uns die Menschen die Türen eingerannt", erinnert sie sich. Inzwischen haben sich ein Stammtisch und regelmäßige Treffen etabliert.
Beratung und Empowerment
Ein weiteres zentrales Standbein des Delbrêl-Zentrums sind seine Beratungsangebote. Dazu gehören Migrationsberatung - etwa zu Asylverfahren oder Familiennachzug -, spezielle Angebote für queere Geflüchtete sowie Schuldenberatung, insbesondere für junge Erwachsene. Eine erste Anlaufstelle für Ratsuchende ist die Infozeit, in der Klient*innen direkt eine Kurzinformation bekommen.
"Unser Ziel ist es, Menschen zu befähigen, ihre Anliegen selbst in die Hand zu nehmen", sagt Noemi Barrawasser. Für Eleonore Kronwald-Najafian zeigt sich der Erfolg dieser Arbeit auch darin, dass viele ehemalige Besucher*innen und Klient*innen später selbst ehrenamtlich aktiv werden.
Ehrenamt prägt das Zentrum
Viele offene Angebote des Hauses leben vom ehrenamtlichen Engagement. Dazu gehören der Second-Hand-Laden "Ausgehrock", die Nähwerkstatt mit Upcycling-Angeboten, ein Yogakurs am Freitagmorgen oder die Unterstützung durch Alltagslotsen bei behördlichen Formularen. Auch die im Stadtteil bekannten Initiativen wie Neustadt im Netz oder der Wanzenmarkt arbeiten und kooperieren seit Beginn mit dem Zentrum.
"Wer eine Idee für den Stadtteil hat, ist bei uns willkommen", sagt Annika Fichtner. "Ob Fotoworkshop, Spieletreff oder Musikgruppe - wir haben Platz und Lust auf Neues." Das Zentrum bietet außerdem Möglichkeiten für Praktika, Anerkennungsjahre und Schülerpraktika im sozialen Bereich an. Spenden im Jubiläumsjahr fließen insbesondere in die Finanzierung der Essensangebote.

Jubiläumsfest am 15. August
Wir feiern das 20jährige Bestehen des Caritas-Stadtteilzentrums Delbrêl am Freitag, 15. August, von 15 bis 19 Uhr im Zentrum. Alle sind herzlich eingeladen.
Mehr zu 20 Jahre Caritaszentrum Delbrel finden Sie auch im aktuellen Neustadt-Anzeiger.