"Da kommt ein Tsunami auf uns zu!"
Anita Becker (Protagonistin Seelentiefen), Birgit Kahl-Rüther (Landeszentrale für Gesundheitsförderung), Klaus Weber (In Würde alt werden e.V.), Eva Pohl (Leiterin Caritaszentrum Edith Stein) und Viktor Piel (Caritasdirektor) (v.l.n.r.).
Hintergrund der Ausstellung ist ein Fotoprojekt, das in Kooperation zwischen der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) und dem im Westerwald ansässigen Verein In Würde alt werden e.V. entstanden ist. Ziel des Projekts ist es, seelische Traumata und das Altern stärker in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken und darüber ins Gespräch zu kommen, was "Altern in Würde" eigentlich bedeutet. Denn gerade im Laufe des Älterwerdens brechen seelische Verletzungen aus der Lebensgeschichte häufig erneut auf und verlangen Aufmerksamkeit.
Eva Pohl, Leiterin des Caritaszentrums Edith Stein, begrüßte die Gäste und betonte die Bedeutung des Themas. In ihrem Grußwort unterstrich Birgit Kahl-Rüther von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung: "Hier ist der richtige Ort, um diese Ausstellung zu zeigen, denn die Protagonisten des Fotoprojekts haben ihre jeweils eigene Perspektive für ein sinnerfülltes Leben entwickelt. Trotz Traumata gingen sie aus ihren Krisen gestärkt hervor."
Bereits im Vorfeld der Ausstellung stimmte ein Vortrag von Klaus Weber, Arzt und Gründer des Vereins "In Würde alt werden e.V.", in das Thema ein. Er stellte die verschiedenen Projekte des Vereins vor und wagte einen besorgniserregenden Ausblick: Bis zum Jahr 2030 werde die Altersdepression mit rund 30 Prozent die häufigste Erkrankung im Alter sein. "Da kommt ein Tsunami auf uns zu!", mahnte Weber und warb zugleich dafür, mit Projekten wie "Seelentiefen" frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren.
Fotografien mit besonderer Tiefe

Janina Gerhard vom Caritaszentrum Edith Stein holte die Ausstellung nach Mainz. Im Mittelpunkt stehen 19 großformatige Schwarz-Weiß-Porträts von Menschen, die eines verbindet: Sie haben in ihrem Leben ein Trauma erfahren - mal offensichtlich, mal verborgen. Zu jedem Bild gehört eine persönliche Postkarte mit den Gedanken und Erfahrungen der Porträtierten. Diese individuellen Statements verleihen den Fotografien eine besondere Tiefe und machen Mut, sich mit der eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen.
Eine der Protagonistinnen war bei der Ausstellungseröffnung selbst anwesend: Anita Becker, deren Mann seit über 30 Jahren an Multipler Sklerose erkrankt ist. "Diese Krankheit prägt unsere beiden Leben", sagte sie. Es gebe Sonnen- und Regentage, doch "wir haben uns damit arrangiert und nie den Kopf in den Sand gesteckt."
Bevor sich die Türen zu den Ausstellungsräumen öffneten, fasste Eva Pohl die zentrale Botschaft des Abends zusammen: "Heute ist klar geworden: Herausfordernde Lebensereignisse zum Thema zu machen, ist der Schlüssel zu ganz vielem."
Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit, die Ausstellung in verschiedenen Räumen des Zentrums zu besuchen, die Porträts in Ruhe zu betrachten und die bewegenden Begleittexte zu lesen. Die Ausstellung "Seelentiefen" setzt damit ein starkes Zeichen für mehr Offenheit im Umgang mit seelischer Gesundheit im Alter - und für ein Altern in Würde.