Das Thaddäusheim, Obdachlosenunterkunft in Mainz, ringt um seine Zukunft
Von Gabriele Koerner
"Bei uns landen Pflegefälle, psychisch Kranke, Flüchtlinge und junge Menschen, die aus der Jugendhilfe fallen", erläutert Thomas Stadtfeld, Leiter des Thaddäusheims in Trägerschaft der Caritas. Damit seien die Anforderungen an ihn und sein Team erheblich gestiegen. "Es sind Gruppen von Menschen, die früher nicht in der Wohnungslosenhilfe landeten. Wir sind Auffangbecken für alles, was nicht funktioniert", erklärt er. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, diese Menschen wieder in eine eigene Wohnung zu bringen. Denn in Mainz gebe es schlicht zu wenige Wohnungen - schon gar nicht für die Bewohner des Thaddäusheims.
Doch nicht nur die Arbeit mit den Bewohnern stellt die Einrichtung vor große Herausforderungen. Auch ihre bauliche Zukunft ist ungewiss. Das Gebäude ist alt und marode, die Duschen werden derzeit renoviert. Die Caritas ist an der Goldgrube Mieterin des Bistums Mainz, dem das Grundstück gehört. Dieses sollte verkauft werden, weshalb sich das Thaddäusheim eigentlich nach einem anderen Standort umsehen musste. "Doch trotz langer Suche hat sich in Mainz bislang kein Standort gefunden, der vergleichbar gute Voraussetzungen wie der bisherige Standort bietet."
Für Thomas Stadtfeld wäre ein Verbleib in der Oberstadt die beste Lösung. "Wir sind in der Oberstadt unter den Nachbarn akzeptiert und seit Jahren etabliert", betont er. Ein neuer Standort wäre deshalb nicht nur eine bauliche, sondern auch eine soziale Herausforderung.
Die Mainzer Sozialdezernentin Jana Schmöller zu Gast im Thaddäusheim mit dem Freundeskreis.
Um Stadtfeld und sein Team zu unterstützen, wurde vor drei Jahren der Freundeskreis Thaddäusheim ins Leben gerufen. Das Netzwerk engagierter Menschen aus der Oberstadt und ihrem weiteren Umfeld bringt Kontakte und unterschiedliche Fähigkeiten ein, wirbt Spenden ein und setzt sich in der Öffentlichkeit sowie in politischen Entscheidungsgremien für die Belange wohnungsloser Menschen und der Bewohner des Thaddäusheims ein. Maßgeblich unterstützt wird die Arbeit durch Magdalena Copeland, Fundraiserin beim Caritasverband Mainz. Von ihr ging auch die Initiative zur Gründung des Freundeskreises aus. Interessierte neue Freundeskreismitglieder sind stets herzlich willkommen.
Nun gibt es einen Hoffnungsschimmer: Über den Freundeskreis ist eine außergewöhnlich hohe Spende an das Thaddäusheim vermittelt worden, die für einen Neubau eingesetzt werden soll. Der langjährige Spender, der anonym bleiben will, hat seine Zusage vertraglich abgesichert. Die Spende ist zweckgebunden für einen Neubau des Thaddäusheims, vorzugsweise am bisherigen Standort, grundsätzlich auch an einem vergleichbar geeigneten Alternativstandort.
Geplant ist ein Neubau im Campuskonzept, möglicherweise fünfstöckig - so wie das Gebäude des Nachbarn BioNTech gegenüber, hofft Stadtfeld. Eine Projektgruppe des Caritasverbandes arbeitet inzwischen an der Planung. Die Großspende habe den Grundstein gelegt. Jetzt müssten die Kosten kalkuliert und die Finanzierung geklärt werden, erläutert Stadtfeld. Vorgesehen ist weiterhin eine Unterkunft für etwa 80 Menschen. Wenn möglich, soll zusätzlich Wohnraum entstehen, der an Menschen vermietet werden kann, die wieder selbstständig leben können. Die Caritas nutzt diese positive Entwicklung nun, um die vielen Vorteile des Verbleibs am bisherigen Standort mit dem Bistum wieder aufzugreifen und weiter zu entwickeln.
Wie groß der Unterstützungsbedarf ist, zeigte auch ein Treffen im Oktober: Zum ersten Mal kamen die Mainzer Sozialdezernentin Jana Schmöller, der Freundeskreis Thaddäusheim und die Leitung des Hauses zusammen. Schmöllers Einschätzung zur Mainzer Wohnungslosenhilfe fiel ernüchternd aus: "Es klingt ambitionslos, aber wenn wir in Sachen Obdachlosenunterkünfte das halten, was wir haben, bin ich schon zufrieden", erklärte sie.
"Die Versorgung von Wohnungslosen ist eine kommunale Pflichtaufgabe und keine freiwillige Leistung", betonte die Sozialdezernentin. Eine größere Unterstützung durch die Stadt konnte sie dennoch nicht zusagen. Zwar bezeichnete sie das Thaddäusheim als unverzichtbar, bot aber lediglich Unterstützung im bisherigen Umfang sowie Plätze für Wohnungslose an, falls während eines Neubaus eine Übergangslösung benötigt werde.
Die wohlwollende große Spende hat dem Thaddäusheim eine neue Perspektive eröffnet. Doch bis zum Neubau ist es noch ein weiter Weg: Die Planung muss konkretisiert, die Finanzierung gesichert werden. Dafür sind weitere Spenden und Großspenden notwendig. Hier können Sie online spenden. Herzlichen Dank.
Weitere Informationen:
www.caritas-mainz.de
Spendenkonto Thaddäusheim
IBAN: DE28 3706 0193 4003 5000 18
BIC: GENODED1PAX
Stichwort: "Ein Bett"