Hauszeitung gibt Bewohnern eine Stimme
Was als Pilotprojekt nach einer Idee von Sandra Laton, pädagogische Fachkraft im Thaddäusheim, begann, ist inzwischen ein echtes Gemeinschaftsprojekt geworden. Alle drei Monate erscheint eine neue Ausgabe - die vierte ist bereits in Arbeit. Und die Zeitung wächst: Mittlerweile umfasst sie 32 Seiten, auch die Zahl der Mitwirkenden steigt stetig.
Mitmachen können alle: Bewohner ebenso wie Mitarbeitende. Seit der zweiten Ausgabe bildet Sandra Laton gemeinsam mit Bewohner Günter Vogel das Kern-Redaktionsteam. Für den Rentner ist die Mitarbeit eine echte Herzenssache: "Ich habe schon immer gern geschrieben und habe Spaß am Kreieren."
Bewohner Günter Vogel, Thaddäusheim-Leiter Thomas Stadtfeld und die pädagogischen Fachkräfte Martina Buchmann und Sandra Laton freuen sich über das Projekt Hauszeitung. (v.l.n.r.Tanja Greitens
Die Inhalte sind so vielfältig wie das Leben im Haus selbst. Berichte über Ausflüge, etwa zu einer Insektenausstellung, stehen neben Einblicken in die Koch-AG, Geschichten aus der Skat-Runde oder einem Steckbrief über den Thaddäusheim-Hund "Sunny". Auch praktische Informationen kommen nicht zu kurz - etwa Hinweise zum Mainz-Pass oder eine Übersicht von Beratungsstellen. "Wir schauen, dass immer eine gute Mischung entsteht", sagt Sandra Laton. Kollegin Martina Buchmann ergänzt: "Bei Ausflügen fragen wir inzwischen gezielt, ob jemand Lust hat, darüber zu schreiben."
Exemplare sind schnell vergriffen
Die Zeitung trifft den Nerv der Hausgemeinschaft: Die Auflage von 50 Exemplaren, die an der Pforte ausliegt, ist regelmäßig schnell vergriffen. "Einmal waren wir morgens noch am Ausdrucken, da kam der Pförtner schon und meinte, wir sollten uns beeilen - die Nachfrage sei schon so groß", berichtet Laton.
Für Einrichtungsleiter Thomas Stadtfeld ist das Projekt mehr als nur ein kreatives Angebot: "Die Hauszeitung fördert Teilhabe und Eigeninitiative." Tatsächlich zeigt sich: Wer mitschreibt, gestaltet aktiv mit - bringt eigene Themen ein, übernimmt Verantwortung und wird gehört.
Auch deshalb ist "Thaddäus Heute" längst Gesprächsthema im ganzen Haus. Die Beteiligung wächst, viele Ideen entstehen inzwischen ganz von selbst. "Dass es so gut ankommt, habe ich zwar gehofft, aber fast nicht erwartet", sagt Initiatorin Laton.
Das Thaddäusheim in Mainz ist eine Einrichtung für wohnungslose Männer und bietet aktuell rund 80 Bewohnern eine längerfristige stationäre Aufnahme sowie Plätze in einer Notunterkunft. Mit Projekten wie der Hauszeitung schafft die Einrichtung Räume für Mitgestaltung - und zeigt, wie wichtig es ist, Menschen eine Stimme zu geben.